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Innenansichten eines verunsicherten Katholiken

WELCOME TO HELL 

Wie kann man so zynisch und werteverachtend und menschenverachtend sein und eine Demonstration gegen die Ungerechtigkeit und das Ungleichgewicht in der Welt mit „Welcome to Hell“ bezeichnen. Selbst wenn man damit klarmachen will, dass die Repräsentanten der Reichen sich in die Welt der Armen und Ausgebeuteten begeben wollen/ sollen. Oder auch nicht. So genau weiß man nicht, was sich die Organisatoren der Demo vorgestellt haben. 

Auf jeden Fall war es ein Spiel mit dem Feuer. Und zwar beabsichtigt. Bewusst sollte gezündelt werden, bewusst sollte provoziert werden. 

Die Attitüde, mit der sich die Organisatoren, Stunden nachdem die Gewalt seitens der Demonstranten und der Polizei ausgebrochen war, auf der Pressekonferenz aufführen, ist schwer zu ertragen: 

Hätte die Polizei sensibler, deeskalativer reagiert, wäre es wahrscheinlich gar nicht zu den Vorfällen gekommen. Hätte die Polizei gelassener auf die Vermummung und die Entmummung reagiert, hätte die Polizei sich bespritzen, beschimpfen, bewerfen lassen, ja dann wäre vielleicht gar nichts Gewalttätiges passiert. Mal abgesehen von den Tatsachen an sich. Hätte, hätte, hätte...

Daran glauben sicher noch nicht einmal die Verkünder dieser Eskalationsstrategie. Der Name „Welcome to Hell“  hat schon genauso gewirkt, wie die Initiatoren sich das vorgestellt hatten. Er hat mit Sicherheit viele Chaoten aus ganz Europa angezogen, die allerdings wahrscheinlich auch ohne diese Veranstaltung gekommen wären, weil ja Großereignisse dieser Größenordnung immmer die linken (und auch rechten) Gewalttouristen und Schwarzen Blöcke dieser Welt anziehen. G8, G7, G 20 … Ein Riesenevent eben.

Das Tragische ist, dass der Protest gegen die Ausbeutung der Welt mehr als berechtigt ist, dass er notwendig ist, dass aber andererseits dieses vernünftige Anliegen im Sumpf der Gewalt erstickt wird. Von denen, die offensichtlich Spaß an der Gewalt haben. Die haben ihren Spaß. Die nachdenklichen Demonstanten verlieren. Sie werden gar nicht (oder viel zu wenig) gehört oder zur Kenntnis genommen. Und wenn dann hat es keine weiteren Wirkungen. Welch ein Dilemma! 

Wie kann man nur Ursache und Wirkung so durcheinanderbringen: 

Die Polizei, die staatlichen Autoritäten, die Justiz als Ursache der Gewalt zu bezeichnen. Es ist ein Hohn. Eigentlich die Vorstufe zur Anarchie. Entschuldigungen und Verständnis für die Rechtsbrecher, Vorwürfe für die staatliche Administration. Für Polizisten und Beamte, die sicherlich genau wie viele andere auch liebend gerne etwas anderes getan hätten als gegen einen Teil der eigenen (unerzogenen, gewalttätigen) Bevölkerung vorzugehen. Von denen eine Vielzahl noch sehr jung und unerfahren, aber eben jung und unverbraucht waren (also in gewisser Weise stark waren), aber dafür auch voller Ängste, was da auf sie zukommen könnte. Welche Verletzung droht ihnen, welche Gemeinheit wartet in der nächsten Häusernische? Andererseits die nicht unerhebliche Aufgabe, die Mächtigsten und Einflussreichsten dieser Welt zu beschützen.

Riesenaufgaben, mit denen sich Hamburg und Deutschland konfrontiert sah. Man stelle sich nur einmal vor, es wären Menschen bei den Auseinandersetzungen zu Tode gekommen, ein terroristischer Verwirrter hätte in der Unübersichtlichkeit eine Bombe gezündet. Alles das schießt den jungen Beamten doch durch den Kopf und erzeugt einen unerhörten Druck, dem sicherlich nicht jeder gewachsen war. Eine schreckliche Situation, die noch dadurch gekrönt wird, dass man danach als Schuldiger, als Ursache der Gewalt verleumdet wird. 

Der Staat hat nicht versagt. Versagt haben ganz andere.

Der Staat hat sich gewehrt gegen Anarchie und Gewalt.

Das erwartet jeder Bürger von seinem Staat (sogar die sonst sehr unorthodoxen Bewohner des Schanzenviertels.) 

Wir sollten derartige Auswüchse nicht länger hinnehmen. Aber nicht im Sinne der AFD:  Deren radikale Sympathisanten und Exekutanten sind genauso zynisch und menschenverachtend, meist nur noch viel dümmer.  Nein, wir müssen zurück zu einer Kultur des Verstehens und des Miteinanders. Der Staat und seine Bürger sind keine Gegensätze, sondern konstitutive Teile einer Wertegemeinschaft, die sich durch Höflichkeit, Respekt und Toleranz auszeichnet. Dazu gehört auch die Toleranz gegenüber religiösen Motiven und Themen. Und den Demonstranten oder den Politikern ein „Willkommen in der Hölle“ entgegenzurufen, deutet auf alles Mögliche hin, nur nicht auf eine aufgeklärte Gesellschaft. Das Spiel mit der Apokalypse kann nur in ihr selbst enden.

 (r.duczek@online.de)